| Der Hund |
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wenn man mit ihm richtig umgeht, ihn behutsam in unsere Gesellschaft einführt. Dazu muss man schon etwas über ihn wissen. Mal schnell das Weihnachtspaket aufreißen, eine kurze Bedienungsanleitung lesen und das richtige Programm installieren - so einfach ist es auch wieder nicht. Der Hund ist ein intelligentes und daher komplexes Lebewesen. Doch mit Liebe und Verstand - sowie einer großen Portion Geduld wird es eine wunderbare Freundschaft. Ein Hunde-Leben lang. Der Vorfahre unserer Lebensbegleiter ist uns bereits bekannt. Auch die noch verbliebenen Gemeinsamkeiten. Dieses Kapitel befasst sich mit den Unterschieden zwischen Wolf und Hund, sowie Gemeinsamkeiten, Anknüpfungspunkten zwischen Hund und Mensch. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es mir, mit der Kampfhundlüge aufzuräumen. (LINK)
Schlummert ein Wolf im Hundepelz? Ist der Hund - nach 15.000 Jahren Abspaltung von seinen Vorfahren - nun mehr dem Menschen ähnlich, oder ist er in seinem Inneren ein Wolf geblieben?
Nun um diesen Fragen nachzugehen muss man sich mit dem Erbmaterial der Hunde befassen. Gene speichern Informationen. Über die Jahrtausende hat der Hund sicher auch etwas von uns Menschen angenommen. Doch der natürliche „Speicherprozess" benötigt selbst für kleine Dinge wie Nahrungsmittelumstellungen tausende von Jahren. So ist es nicht verwunderlich, dass der Hund noch sehr stark von den wölfischen Genen und somit wölfischen Instinkten geprägt ist. Auch wenn einige Wissenschaftler und Wolfsforscher vermuten, dass die ersten Wölfe bereits vor etwa 135.000 Jahren domestiziert wurden, so macht diese Zeitspanne doch nur ein Sechzigstel der gesicherten Existenz des Wolfes aus. Immerhin lebt der Wolf schon seit mindestens acht Millionen Jahren auf diesem Planeten!
Mit dem Wissen, dass der Hund noch sehr stark von Instinkten geprägt ist, lässt sich die Erziehung schon um ein vielfaches leichter angehen. Kennt man das (leicht individuelle) instinktgebundene Verhalten seines Hundes, kann man die Erziehung genau dort ansetzen. Machen wir uns also die Instinkte des Hundes zu nutze!
Instinktgebundenes Verhalten Instinkte sind angeborene Verhaltensmuster, die durch bestimmte Umweltreize ausgelöst werden. Der Folgetrieb des Welpens ist beispielsweise einer von vielen Instinkten des Wolfes / Hundes. Der Alpha / Babysitter entfernt sich zu weit, Verlustangst entsteht, Der Welpe folgt selbstständig und instinktiv dem Ranghöheren.
Auch wir handeln manchmal instinktiv. In solch einem Moment arbeitet unser Denkapparat schneller, da die ganzen „Ausschlusssysteme" überbrückt werden. Das birgt Risiken, kann aber auch nützlich sein, gerade wenn etwas schnell gehen muss. Meist ist es jedoch von Vorteil, Entscheidungen vorher abzuwägen. Da wir Menschen instinktreduzierte Wesen sind gelingt uns dies auch - meistens.
Hunde werden wie alle Tiere viel stärker von Instinkten gelenkt. Mehr dazu erfahren Sie in meinem Buch: „Mensch-Hund, Hund-Mensch"
Die Instinkte der Hunde lassen sich in drei Kategorien einteilen: - Instinkte, die vom Wolf erhalten blieben - Hundespezifische Instinkte - Rassenspezifische Instinkte
Kennt man die Instinkte seines Hundes, kann man mit seinen Reaktionen auf die Umwelt besser umgehen. Eine partnerschaftliche Erziehung versucht Instinkte nicht zu unterdrücken, sondern an ihnen anzuknüpfen. Unterdrückt man zu viele Instinkte, sucht sich der Hund andere Ventile, um Druck abzulassen. Knüpft man an den Instinkten an, kann man versuchen die Reaktionen abzulenken um Alternativverhalten zu ermöglichen.
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Zeigen wir unsere bewusste kreativ-denkerische Überlegenheit, indem wir auf unsere Hunde eingehen. Kommunizieren wir nicht nur mit unseren Hunden auf der bewussten Ebene (= konditionierte Ebene), sondern auch mit ihrer unbewussten, instinktiven Ebene.
Ein Beispiel, das zeigt, wie leicht man Hunde durch ihre Instinkte lenken kann. Man muss lediglich die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn ansprechen, die bestimmte instinktive Verhaltensweisen auslösen.
Unterschiede zwischen Wolf und HundWölfe leben in der freien Natur, Hunde meist in großen Zivilisationen. Auch wenn sich so manch „zivilisierter" Mensch einiges vom Wolf abschauen könnte (Wölfe kennen zwar kein Mitleid, kein Schuldgefühl in unserem Sinne, dafür sind sie auch nicht so rachsüchtig und streben nicht so nach der Macht - Kriege und Massenvernichtung sind ihnen fremd), muss der Hund sich doch bis zu einem gewissen Grad an unsere Regeln halten.
Freiheit, Demokratie / Diktatur: Wölfe leben in der Regel wie wir in größeren Sippen. Während wir - zumindest in Europa - in einem demokratischen System leben, herrscht unter Wölfen eher eine Diktatur vor. Allerdings keine totalitäre Diktatur. Angeführt werden Wölfe nicht unbedingt von dem größten, stärksten und brutalsten Führer, nein der Erfahrenste hat das Sagen.
Eine wölfische „Diktatur" unterscheidet sich auch sonst grundlegend von einer menschlichen. Der Alphawolf hat nicht die Anhäufung von Reichtum und Macht im Sinn, nein sein Anliegen ist das Wohl seines Rudels. Man könnte also von einer funktionierenden sozialistischen Diktatur sprechen. Der einzelne Wolf hat auch seine Freiheiten, er kann so ziemlich tun und lassen was er will, gehen wohin er will - solange er nicht das Wohl der Gruppe gefährdet. Er kann wenn er sich dazu berufen fühlt, offen den Alpha herausfordern. Siegt der Herausforderer wird der alte Chef nicht gelyncht, sondern darf in der Sippe weiterleben. Kann sich der alte Rudelführer noch einmal behaupten, so wird auch der Herausforderer nicht ausgestoßen, wenn er sich fortan wieder unterordnet. Wer nicht mehr im Rudel leben will, kann von dannen ziehen und ein eigenes Rudel gründen oder sich einem anderen anschließen.
Hunde dagegen dürfen nicht gehen wohin sie wollen, jagen was sie wollen (siehe unten, Thema Jagd), ein eigenes Rudel gründen oder gar den Rudelführer (= Mensch) herausfordern. Daher sollten sie nicht wirklich erwachsen werden, sondern im Idealfall ein Leben lang Kind bleiben. Hunde dürfen nicht erwachsen werden, jagen, das Rudel anführen oder ein eigenes gründen - sie haben andere Privilegien: Fressen, Spielen, Schlafen, fressen, spielen, schlafen...
Wenn sie Glück haben leben Hunde in einer Menschensippe, die sich bemüht ihre Bedürfnisse zu erfüllen. (Liebe, Anerkennung, fressen, spielen, schlafen) (LINK) Im Gegenzug müssen Hunde alle Menschen als „Alphas" oder Ranghöhere würdigen und unsere Gesetze beachten.
JAGD: Junge Wölfe lernen durch Spielen und Nachahmung der Älteren schnell das Jagen mit dem Tötungsbiss (an der Kehle) als letzte Stufe. Hunde dürfen diese letzte Stufe nicht erreichen! Das ist im Zusammenspiel mit der Sozialisation die wichtigste Grundregel der Erziehung! - Ausgenommen Jagdhunde von Jägern. Wir müssen in der sensiblen Phase nicht nur eine Tötungshemmung, sondern darüber hinaus auch eine Beißhemmung aktiv fördern: Indem wir einschreiten bei zu groben Spiel unter Welpen, und erst recht aufpassen, wenn ein bis drei jährige Hunde mitspielen - diese sind oft zu grob, da sie selbst als Junghunde zu sehr unterdrückt wurden, bzw. keine Hemmung aufgebaut haben. (Teufelskreis)
Wichtig ist vom ersten Tag an dem Hund nicht nur das Töten, sondern darüber hinaus auch das Jagen anderer Tiere zu untersagen.
Das Jagen von Vögeln mag manchem als lustig und gefahrlos erscheinen. „Er kriegt sie ja eh nicht." Bekomme ich oft zu hören. Spätestens wenn der Hund das erste Mal ohne zu zögern - durch verstärkten Jagdinstinkt - über eine stark befahrene Straße hetzt, um einen Vogel zu fangen, wird man sich das ganze noch mal überlegen. Dabei ist nicht nur die Gesundheit des Hundes gefährdet - sollte der Hund in einen Autounfall verwickelt werden, gar mit Personenschaden, kann es teuer werden, auch für das Gewissen. Deutlich günstiger, aber immer noch ungünstig: Der Hund jagt im Park einem Vogel hinterher und wird dabei von strengen Ordnungshütern beobachtet - Wilderei! Im Wald kann er wiederum dafür erschossen werden.
Wie bringt man den Hund vom Jagen ab? Sie müssen das Objekt der Begierde (Bsp. Vogel) zuerst sehen. So können Sie, in dem Moment wo der Hund sein Beuteziel fixiert, mit einem deutlichen: „Nein!" agieren. Sie können auch wegrennen mit einem interessanten Spielzeug. Und den Hund nach dem fangen des Spielzeuges mit einem Leckerlie belohnen. Wenn der Hund - nach einigen positiv belegten Übungseinheiten - zu Ihnen kommt sobald er etwa einen Vogel erspäht, können Sie zurecht stolz sein, auf sich und Ihren Hund.
mögliche Hilfsmittel: Schleppleine, Wurfscheiben, Wasser- oder Duftsprayhalsband, Ersatz-Jagdobjekt (= Spielzeug) - das Ersatzobjekt muss interessanter sein als das echte Tier.
Hunde - zwischen Mensch und Wolf: Seit 15.000 Jahren leben Hunde mit uns zusammen. Sie wachen über uns, führen uns (Blindenhunde & Hunde für Behinderte), suchen für und nach uns (Drogenspür-, Sprengstoffspür- und Lawinensuch- Hunde). Besonders sensible Hunde können Krankheiten riechen und erkennen Vorzeichen von epileptischen Anfällen ihrer Mitmenschen. In manchen Ländern gibt es nach wie vor Müllhunde. Vor allem in ärmeren Ländern, die sich leider nicht so ein luxuriöses Müllsystem wie das unsrige leisten können, leistet jeder streunende Hund als Müllverwerter einen wichtigen Dienst. Zudem halten sie mit den Katzen die Ratten in Zaum. Kleinere Hunde fungieren auch des öfteren als Klingelersatz. Zirkushunde verblüffen uns mit verrückten Tricks, in einigen Filmen spielen schauspielende Hunde ein große Rolle - mehrere Hundert Begriffe und Signale lernen sie mühelos. Nicht zuletzt helfen sie unserem seelischen Wohlbefinden. Sie heilen uns mit ihrer beruhigenden Art, ihr zutrauliches, geduldiges Wesen färbt auf uns ab. Sie hören uns zu, spiegeln unsere Gefühle. Sie helfen und bereichern uns auf verschiedenste Weise.
Im Laufe der Zeit haben sie sich uns sehr gut angepasst, eines haben sie aber nicht: Ein Gewissen. Weder ein Gutes noch ein Schlechtes. Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir unser Gewissen verstehen. Sie wissen schnell, was ihr Halter gut heißt und was nicht. Ein tieferer Sinn bleibt ihnen jedoch verborgen. Gefühle haben Hunde selbstverständlich dennoch. Hunde nehmen ihre Umwelt ganz anders war, als wir. Während Hunde dank ihrer ausgeprägten Sinnesorgane in der Lage sind viel mehr Informationen aufzunehmen, funktioniert unsere Weiterleitung an das Gehirn und Verarbeitung im Gehirn wiederum differenzierter. Wir besitzen viel mehr Querverbindungen im Gehirn und sind daher fähig logisch zu denken, und vor allem abstrakt zu denken. Hunden ist und bleibt abstraktes Denken fremd.
Hunde lernen durch Erfolg und Misserfolg.
Hunde denken: „Was habe ich davon, wenn..." oder: „Was riskiere ich, wenn...". Sie entscheiden von Augenblick zu Augenblick - hier und jetzt.
Deshalb dürfen wir sie nicht vermenschlichen - das heißt, Verhalten von Ihnen erwarten, dass wir an ihrer Stelle zeigen würden. - Im Gegenteil wir verstehen sie viel besser, in dem Maße wie wir versuchen „wölfisch" zu denken. Vielleicht entwickeln sie in den nächsten tausenden von Jahren ja auch ein Gewissen - immerhin hat es auch in unserer Entwicklung lange gedauert. Auch wir haben anfangs in der selben einfachen Kategorie gedacht wie Wölfe / Hunde: „Was habe ich davon, und was riskiere ich, wenn...". Manche Menschen denken leider heute noch ausschließlich so... Hunde handeln in erster Linie nach der Kosten-Nutzen-Analyse, nach menschlichen Maßstäben also sehr egoistisch. Der Erhalt des Rudels geht jedoch vor den Interessen des Einzelnen. Sozialisierte Hunde ordnen sich ohne Zwang dem Wohl der Gruppe unter. In der Natur werden gewalttätige Rudelführer gemeinsam entmachtet und aus dem Rudel ausgestoßen! Nur gemeinsam sind wir stark - könnte das Motto lauten.
Hund-Mensch-Vergleich
(abgewandelt vom "Tier - Mensch" Vergleich aus dem Skript von Hubert Wisskirchen.) |




