Kampfhunde? PDF Drucken E-Mail

Liebe Hunde, böse Hunde, Kampfhunde?

Die verschiedenen Hundetypen sind unterschiedlich stark durch Instinkte geprägt. Hunde die weniger stark

instinktgeprägt sind lassen sich flexibler erziehen, stärker instinktgebundene Hunde kann man dafür schneller

und wirkungsvoller über ihre Instinkte verstehen und lenken. Um Ihren Hund besser zu verstehen, ist es hilfreich,

seine Vorfahren und dessen Instinkte zu kennen.

 

Gehört ihr Hund zu den stärker oder schwächer instinktgebundenen Hunden?

Welche Instinkte sind stärker, welche weniger stark ausgeprägt?

 

Gebrauchshundearten

Wenn Sie mit einem Rassehund zusammenleben, haben Sie einen Vorteil, es ist bekannt, zu welchem Zweck

die Rasse ursprünglich gezüchtet wurde.

 

Heute sind Hunde eher Familienmitglieder, aber vor nicht allzu langer Zeit gab es ausschließlich Gebrauchshunde:

Hütehunde, Treib-, Hof- und Bauernhunde, Hirtenhunde, Jagdhunde (- unter Führereinfluss, - ohne Führereinfluss

und eigenständige) sowie Saupacker, Bären- und Bullenbeißer.

 

Die Geschichte seiner Ahnen bestimmt das Wesen des Hundes bis heute maßgeblich.

Züchter die behaupten, jede Rasse sei heutzutage als universaler Familien- und Gebrauchshund einsetzbar,

haben entweder keine Ahnung von ihrem Geschäft, handeln also grob fahrlässig, oder schlimmer noch haben

nur ihren Profit im Sinn.

 

Einige Hundetypen sind nach wie vor für unerfahrene Hundehalter nicht geeignet. Border Collies beispielsweise,

mit ihnen haben auch erfahrenere Zweibeiner oft zu kämpfen. Andere eigenen sich wiederum gerade

für Hundeanfänger. Beagle zeigen kaum Dominanz, dafür umso mehr Familiensinn. Die kleinen süßen weißen

„Caesar-Hunde", bekannt aus einer Hundefutterwerbung (genaue Rassenbezeichnung: West Highland White Terrier),

gehören wiederum zu den „eigenständigen Jägern". Der Name Caesar ist also recht passend - im Sinne eines

eigenständigen kleinen Diktators. Erfahrene und konsequente Hundehalter können wunderbar mit ihm auskommen...

 

Leider gibt es keine Richtlinien (weder gesetzlich noch durch Zuchtvereine selbstbestimmt), die festlegen,

welche Hundetypen nur an erfahrene Hundehalter abgegeben werden. So ist es nicht verwunderlich,

dass viele Tierheime überfüllt sind und angebliche „Schwarze Schafe" unter den Hunden von den Medien

zerrissen werden. Panik wird geschürt, unschuldige Vierbeiner kategorisch als „Kampfhunde" abgestempelt.

 

Dabei gibt es nach neuesten Ergebnissen intensiver Langzeitstudien so gut wie

keine angeborenen Unterschiede im Aggressionspotential.

 

Langzeitstudien und Statistiken

Forscher der tierärztlichen Hochschule in Hannover haben über fünf Jahre weit mehr als 1000 Wesenstests

an so genannten „Kampfhunderassen" durchgeführt. Das Ergebnis: 98 Prozent der Hunde verhielten sich

nicht aggressiver als Golden Retriever, die zum Vergleich herangezogen wurden.

Für Prof. Hans-Joachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten,

waren diese Ergebnisse nicht verwunderlich.

 

Der Wesenstest hat zudem gezeigt, dass Hundehalter weit mehr Einfluss auf das Verhalten

ihrer Tiere haben als die Gene. Man kann jeden Hund zum Beißen bringen - und zum Schmusen.

„In unserer Gesellschaft sollte ein kompetenter, fachlich gebildeter, verantwortungsvoller Hundebesitzer

gefördert werden, denn dieses ist die wirkungsvollste Maßnahme, um Verhaltensproblemen

bei Hunden vorzubeugen." so Professor Hackbarth

(Quellen: www.mz-web.de und Hanoversche Zeitung vom 14.04.2005)

 

 

Bei meinen Recherchen fand ich im Internet eine Statistik über Todesfälle durch Hunde.

Sie dürfte so manchen überraschen:

 

Zwischen 1968 und 2006 wurden in der BRD 53 Todesfälle (von Menschen) durch Hunde erfasst.

Dreizehn Hunderassen waren an den Todesfällen beteiligt, lediglich vier davon gelten unter Unwissenden

als Kampfhunde (Folgend in Klammer die Anzahl der Todesfälle): Rottweiler (7), American Staffordshire Terrier (4),

Pitbull (3), Dobermann (1).

Die übrigen Übeltäter waren: Schäferhund (25), Deutsche Dogge (5), Dackel (2), Bernhardiner (1), Boxer (1),

Jagdhund (1), Labrador (1), Sibirischer Husky (1), Windhund (1)
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rasseliste )

 

Selbstverständlich ist jeder Biss, auch nicht tödlicher Art ein Biss zu viel. Allerdings zeigt diese Statistik,

dass unabhängig von der Rasse jeder Hund gefährlich sein kann - wenn er nicht genügend sozialisiert wurde.

Eine wunderbare Sozialisierungsunterstützung erfährt jeder Hundehalter in guten Welpenspielstunden.

 

 

Noch ein interessanter Link zum Thema „Kampfhund":

http://www.la-pirata.net/experten/index.htm

Dort taten unter anderem folgende Fachkundige Menschen ihr Wissen kund:

Dr. med. vet. Fischer (Vereinigung der Tierärzte im öffentlichen Dienst),

Prof. Dr. med. vet. Distel (Universität Hannover, Institut für Tierzucht -Fachbereich Genetik),

Polizeihauptkommissar Alfred Maciejewski (Vorsitzender des Arbeitskreises der diensthundeführenden Behörden des

Bundes und der Länder; ca. 5.500 Hunde),

Dr. med. vet. Bob (Vertreter der Landestierärztkammer Berlin und Fachtierarzt für Verhaltenskunde).

Die Ergebnisse der vorgenannten Sachverständigen lassen sich wie folgt zusammenfassen:


- Es ist unmöglich, die Rasse eines Hundes zuverlässig, insbesondere genetisch, festzustellen.

Ein Rehpinscher lässt sich genetisch nicht von einem Deutschen Schäferhund unterscheiden.


- Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise, dass Aggressivität vererbt wird.

Versuche, Wach- und Schutzdiensthunde auf die notwendige Schärfe zu züchten, sind gescheitert.


- Dass sog. „Kampfhunde" über eine höhere Beißkraft verfügen, ist eine wissenschaftlich unhaltbare Legende. Die Beißkraft ist abhängig vom Training der Muskeln und der Fangform. Sog. „Kampfhunde" haben nicht mehr Zähne oder eine andere Zahnanordnung als andere Hunde.


- Eine Gefährdungsbeurteilung kann nicht nach Rassen erfolgen, sondern nur individuell.

Eine Streichung der Rasselisten und Anknüpfung der Gefährdungsbeurteilung an das Hunde-Individuum wurde von allen befürwortet.

 

 

Wer noch mehr Interessante Informationen und Statistiken zum Thema Kampfhund lesen möchte, dem kann ich

folgende Links sehr empfehlen:

www.tehace.ag.vu/H_Kampfhunde_DE.pdf

www.hund-und-halter.de

 

 

Auch bei Gesprächen mit Tierärzten höre ich häufig, dass gerade die als „Kampfhunde" geltenden Rassenhunde

bei der Behandlung besonders ruhig und gelassen seien, was wiederum deren Nervenfestigkeit bestätigt.

Gefährlich sind Angstbeißer - also meist „bonsai-artig kleingezüchtete Handtaschenhunde". Aber auch nur wenn sie

nicht wie Hunde sondern Kuscheltiere gehalten werden und ihnen der so wichtige Kontakt zu anderen Hunden

- aus irrationaler Angst - nicht gestattet wird.

 

Der Begriff „Kampfhund" ist also nachgewiesener maßen falsch und noch dazu irreführend. Ja gerade zu rassistisch.

Nur weil deutsche „Führer" in der Vergangenheit beide Weltkriege begonnen haben, kann man ja auch nicht sagen,

die Deutschen seien aggressiver als andere Völker... Man muss jedes Individuum für sich beurteilen.

 

Die Schweizer Gesetzgeber und auch einige deutsche Bundesländer haben den Begriff „Kampfhund"

daher bereits gestrichen.

 

Hunde dieser zweifelhaften Kategorie sind einfach sehr sportliche bewegungsfreudige Hunde, mit starkem Muskelbau.

Leiden diese Hunde unter Bewegungsmangel, reagieren sie so, wie wenn man einen athletischen Extremsportler

nach monatelangem Aufbautraining die Teilnahme an der Olympiade verweigert - frustriert.

Gibt man ihnen was sie brauchen: Konsequente und liebevolle Erziehung, viel Auslauf und Aufgaben auf die sie stolz

sein können, sind es wunderbare, liebenswerte und sehr nützliche Wesen. Ich meine natürlich die Hunde. ;-)

 

Ja Hunde können Stolz sein. Sie sollten mal meinen Hund sehen, wenn er einen großen Stock mit sich herumschleppt,

den ich für ein Lagerfeuer gut gebrauchen kann oder wenn er ein Hundespielzeug gefunden hat, welches ein anderer

Hund verloren hat. Da braucht es kein verbales Lob mehr, der Hund spürt meine Freude und ist zu recht stolz auf seine

Leistung. - Verbales Lob verstärkt dies natürlich noch.

 

Statt Zucht- und Halteverbote gewisser Rassen, zunehmender Forderungen nach generellem Leinenzwang,

großzügiger Maulkorbverteilung und Hundefreienzonen, plädiere ich für ein Pflichtseminar, vor der Anschaffung

eines Hundes. Ein, zwei Tage für wichtige Vorabinformationen, soviel sollte ein Lebewesen schon wert sein, oder?

Na ja es könnte sein, dass dann - mangels ausgesetzter Hunde - das eine oder andere Tierheim schließen müsste,

auch die Tierärzte hätten weniger zu tun - wäre doch ein Jammer. ;-)

 

Nutzen Sie also existierendes Fachwissen über vorhandene Instinkte beim Hund - am besten vor der Anschaffung!

 

Valid XHTML and CSS.