Der Wolf PDF Drucken E-Mail
Der Wolf

Vom Wolf zum Hund

 

Der Wolf (Canis lupus) - Uhrahne des Hundes (Canide)

Wölfe zählen zu den bekanntesten Raubtieren. Schon frühzeitig haben sie Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden. Sie wurden bewundert, verehrt und gefürchtet.

Wie kein anderes Säugetier hat der Wolf die unterschiedlichsten Lebensräume besiedelt:

Von der baumlosen Tundra im Norden der Taiga, den Mischwaldgürtel bis in die Steppen und sogar Wüstengegenden seines Verbreitungsgebietes. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit lässt sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. (...)

Der Wolf erfüllt(e) eine wichtige Aufgabe im Naturhaushalt - da er vorwiegend alte, geschwächte oder kranke Tiere tötet, gehört(e) sozusagen zur Gesundheitspolizei.

Mit etwa 20 Unterarten hat der Wolf ein Verbreitungsgebiet, das ganz Nordamerika von Alaska bis Mexiko umfasst und von Westeuropa bis Ostasien reicht.

Er war das am weitesten verbreitete Säugetier der Erde bis der Mensch sesshaft wurde, Ackerbau und Viehzucht betrieb. Schon seit je her waren Wolfsrudel und Menschensippen Nahrungskonkurrenten. Als der Mensch sesshaft wurde beanspruchte er zunehmend das Land für sich. Durch die Vertreibung und Ausrottung durch den Menschen flüchteten sich die Wölfe in die Wälder.

Von den etwa 20 Unterarten sind zwei bereits ausgestorben, sieben sind vom Aussterben bedroht. Auch die noch nicht vom aussterben bedrohten Unterarten sind in der Population rückläufig.

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Der Schaden den Wölfe unter Nutztieren anrichtet hält sich in Grenzen, zudem zahlen die meisten Europäischen Länder gute Entschädigungen, doch das Märchen vom Bösen Wolf, der Kinder reißt hat sich zu sehr festgesetzt(...)

 

Sozial- Verhalten des Wolfes

Obwohl man vereinzelt auch einzelne Wölfe in der Wildnis antreffen kann, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Rudel setzt sich meist aus einem Elternpaar und seinen Nachkommen der letzten ein bis drei Jahren zusammen - Eine Familie.

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Bis zur Geschlechtsreife bleiben die Jungwölfe im Rudel. Zu aufmüpfige und dominante Jungwölfe werden vom Leitwolf nicht mehr geduldet, oder suchen von sich aus ein eigenes Revier um ein neues Rudel zu gründen. Die meisten Jungwölfe verlassen ihre Familie zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr - man kann sagen, mit dem erwachsen werden. (Ein Grund, warum Hunde immer im Stadium eines Kindes bleiben sollten.)

In besseren Zeiten, wenn mehr Nahrung vorhanden ist, bleiben die Jungtiere eher länger beim Ursprungsrudel, als in Zeiten wo das Futter knapp wird. Auch der Umgangston im Rudel hängt mit von den Nahrungsvorkommen ab. Sind viele Beutetiere vorhanden, geht man im Rudel freundlicher miteinander um, spielen Futterrangordnungen kaum eine Rolle...

Eng verwandte Wölfe paaren sich normalerweise nicht miteinander - Zeugt von Intelligenz! Familiensinn?

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Die Rangordnung

(...) Die weit verbreitete Meinung, vom Aggressiven Anführer - DEM Alpha, der alle dominiert und unterdrückt, worauf seine Untergebenen diese Unterdrückung wieder hierarchisch nach unten weitergeben, bis zum Prügelknabe für alles und jeden - dem Omega, stammt allein von der Beobachtung von Wölfe in Gefangenschaft. In der freien Natur verhalten sich die Wölfe komplett anders - bei weitem nicht so aggressiv.

Wer dagegen eingesperrt und seiner Freiheit beraubt wird, der wird selten friedlicher. Zudem können Wölfe in Gefangenschaft sich nicht aufmachen eigene Reviere zu suchen und eigene Familien zu gründen. (...) Wölfe die wir gefangen halten sind gezwungen ihr ganzes Leben lang miteinander auszukommen. Auch zur Inzucht sind sie oft gezwungen.

Ein frei lebendes Wolfsrudel beansprucht je nach Anzahl der Beutetiere ein Gebiet von mehreren Hundert bis tausenden Quadratkilometern. (Die Grenzen werden durch Geruchsmarken - Urin - abgesteckt.) Auch wenn Jungwölfe sich auf den Weg machen, ihr eigenes Rudel zu gründen können sie über hunderte Kilometer wandern. Im Schnitt legen sie dabei leicht 20 Kilometer täglich zurück.

Diese Möglichkeit haben Wölfe in der Gefangenschaft nicht. Sie müssen auf engstem Raum zusammen leben.

Hier kann man Parallelen ziehen zu unseren Stadt-Hunden, auch unter ihnen kommt es zum Teil zu vermehrten Aggressionen, da zu viele auf zu engem Lebensraum gezwungen werden sich ihr Revier zu teilen...

(Fußnote: Ich glaube übrigens auch, dass zu viele Menschen gezwungen sind sich ihr Revier zu teilen...)

Bei Hunden auf dem Land kommen die stark vorhandenen Aggressionen dagegen meist daher, dass sie kaum bis nie mit anderen Hunden in Sozialkontakt treten können... (Auch seltener mit anderen Menschen...). Land-Hunde haben noch verstärkt gewisse Aufgaben, wie das Haus bewachen, Tiere hüten, Klingelersatz... Stadt-Hunde werden dagegen eher als Statussymbol oder Hobby gehalten - im Idealfall darf der Hund gewisse Aufgaben erfüllen und wird als Lebensbegleiter betrachtet.

 

Zurück zu den Wölfen:

Frei lebende Wölfe vermeiden jede unnötige Aggressivität.

An der Spitze des Rudels steht entgegen landläufiger Meinung auch nicht unbedingt der körperlich stärkste, und keineswegs der aggressivste Wolf. Meist sind es ältere und erfahrene Wölfe, die das Rudelleben zum Wohle aller lenken. Bestimmte Aufgaben werden mitunter auch verteilt - ausgehend von den Stärken der einzelnen Wölfe.

Demokratisch geht es bei den Wölfen jedoch nicht zu. Es herrscht auch in der Freiheit eine strikte Hierarchie - aber weitestgehend ohne Gewalt.

Über feine Zeichen stecken die Wölfe untereinander die Rangordnung ab. Über Körperhaltung und Gesichtsausdruck beispielsweise zeigen die Tiere ihren sozialen Rang im Familienverband. Das Abstecken und Aushandeln der Rangordnung beginnt mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife. Anfangs finden zwar unter Junghunden noch häufiger Rangkämpfe statt, diese sehen zwar oft brutal aus, enden jedoch meist unblutig oder mit kleinen Schrammen und Blessuren. Ist die Rangordnung einmal ausgefochten, wird sie so schnell nicht mehr angetastet. Direkt im Anschluss daran können die vorherigen Kontrahenten in Eintracht zusammenleben. Sie wissen jetzt wo sie stehen, das gibt ihnen Sicherheit.

(Fußnote: Den Sozialen Status, Rollen in Gruppen - bei Menschen kann man mit der Rangordnung bei Wölfen in Verbindung bringen! Literatur zu Sozialem Status / Rollen in Gruppen angeben...)

Häufiger kann es zu Aggressionen zwischen den Rudeln kommen. (...)

Die häufigste Todesursache ist und bleibt jedoch der Mensch.

 

Während der Aufzuchtszeit hat das Muttertier (= die Alpha-/Leitwölfin) in der Höhle und um die Höhle herum das Sagen, selbst der Leitwolf bringt ihr in dieser Zeit unterwürfig seine Beute. Die Leitwölfin entscheidet anschließend, wer, wann, wie viel erhält. Um das Überleben der Art zu sichern werden meist die Welpen bevorzugt behandelt.

 

 

Die Beziehung Mensch & Wolf

Solange der Mensch wie der Wolf noch hauptsächlich Jäger war, wurde der Wolf verehrt. Er galt ihnen als Vorbild und sie sahen seine (damals) überlegenen Jagdfähigkeiten, seine (damals) größere Anpassungsfähigkeit. Bei manchen Sippen wurde der Wolf sogar als ein übernatürliches Wesen verehrt.

Mit zunehmender Sesshaftigkeit und fortschreitender Entwicklung sah man den Wolf als Feind des Menschen und Räuber von Nutztieren. Ab dem Mittelalter wurde er zunehmend dämonisiert. Immer wieder wurde von blutrünstigen Killerwölfen berichtet, die ganze Dörfer auslöschen und bevorzugt Kinder rauben. (Märchen vom Bösen Wolf: „Rotkäpchen", „Die sieben Geißlein"...). Dabei ist der Wolf Menschen gegenüber sehr scheu und flüchtet lieber als Kontakt aufzunehmen. Selbst der gestellte oder angeschossene Wolf weicht bis zuletzt dem offenen Kampf aus.

Auch die Pelze waren sehr begehrt, und sind es heute noch. Bald hatten sich die Menschen in Europa die völlige Ausrottung des Wolfes zum Ziel gesetzt. Diesem Ziel sind wir heute sehr nahe. Obwohl der Wolf für uns beileibe keine Gefahr mehr darstellt und auch frühere Berichte über Angriffe auf Menschen meist jeder Grundlage entbehren, wird er weiterhin verfolgt und getötet. In Deutschland begann der Ausrottungsfeldzug gegen 1650, innerhalb von zweihundert Jahren war er beinahe ausgerottet. Der letzte frei lebende Wolf wurde 1904 erschossen. (...)

In Europa gibt es keine Belege für Wolfsangriffe auf den Menschen. In Nordamerika sind in den letzten dreißig Jahren 39 Fälle von gegenüber Menschen aggressiven Wölfen bekannt geworden. Zum Teil waren die Tiere Tollwütig, zum Teil fühlten sie sich von den Hunden der Menschen im Revier herausgefordert, in den meisten Fällen wurden die Attacken von den Menschen provoziert und hätten vermieden werden können. Von den 39 Angriffen führte keine zu einer lebensbedrohlichen Verletzung.

 

 

Vom Wolf zum Hund

Lange Zeit war die These, dass der Hund vom Wolf abstammt sehr umstritten. Ebenso wie die These, dass der Mensch vom Affen abstammt. Dank fortschreitender Erkenntnisse in der Gentechnik kann man seit einigen Jahren beide Thesen wissenschaftlich untermauern. (...)

DNA-Untersuchungen von Wölfen und Hunden in den USA zeigten, dass die genetischen Unterschiede unter den Wolfspopulationen durchschnittlich 0,16% betrugen. Der genetische Unterschied zwischen Wolf und Kojote betrug etwa 3,1%, der Unterschied zwischen Hund und Wolf (Grauwolf) dagegen nur 0,2 %.

Die auf Konrad Lorenz zurückgehende Vermutung, der Hund stamme vom Schakal ab, wurde damit widerlegt. Der Grauwolf (Canis lupus lupus) gilt als der Urvater aller Hunde.

Hunde und Wölfe sind auch miteinander fruchtbar. Erik Zimen beschreibt in seinem Buch „Der Hund" seine langjährigen Beobachtungen an Königspudeln und Wölfen, sowie an deren Mischlingen - den so genannten Puwos, und deren Nachkommen.

Auch in der Natur kam es gelegentlich vor, dass ein Wolf sich mit einer streunenden Hündin oder eine Wölfin sich mit einem streunenden Hund paarte.

Auch der Mensch versuchte gegen Ende des zwanzigsten Jahrhundertsgezielt durch Kreuzungen zwischen Wolf und Hund gezielt neue Rassen zu züchten. Diese Experimente gelten jedoch allesamt als fehlgeschlagen. Die Nachkommen waren allesamt sehr ängstlich und scheu, was dann zunehmend zu Angstaggressionen führte.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass die meisten Hundehalter erst noch lernen müssen, besser mit Hunden zusammen zu leben, bevor man sich an solche Experimente wagen kann...

 

Wie genau der Wolf zum Menschen kam ist nicht bekannt. Man weiß jedoch, dass der „zahme Wolf" seit etwa 15.000 Jahren mit dem Menschen in Eintracht zusammenlebt (durch Knochenfunde belegt). Man nimmt an, dass einzelne Wölfe von den Nahrungsresten und Excrementen der Menschen angezogen wurden. Somit übernahm der Wolf wohl die Aufgabe der Müllentsorgung. Die Menschen ließen ihn gewähren, wahrscheinlich fütterten sie ihn mit der Zeit direkt mit ihren Essensresten. Jedenfalls gewöhnte der Wolf sich an den Geruch der Sippe, schlug jedoch Alarm, wenn sich Fremde näherten - Die Geburtstunde des Wachhundes.

 

Im Laufe der Jahrtausende verpaarten die Menschen den „zahmen Wolf" gezielt miteinander, indem sie Tiere mit hervorstechenden Charakterzügen, Wesenseigenschaften und körperlichen Merkmalen zusammenbrachten. Heute gibt es etwa 400 anerkannte Rassen.

Unter der Führung der Fédération Cynologique Internationale (FCI), der größten internationalen Dachorganisation legen nationale Gruppierungen die Standards der unterschiedlichen Hunderassen fest.

 

Gekürzte Fassung. Ausführlichere Informationen erhalten Sie in meinem Buch:

„Mensch-Hund, Hund-Mensch"

 

 

 

 

 

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